Ein Projekt der Klasse E12f

„Wer den Namen des Opfers lesen will, muss sich herunterbeugen. In diesem Moment verbeugt er sich vor ihm“ (Gunter Demnig).

Am 18.11.2014 begaben wir uns, die Klasse E12f, auf Exkursion, um etwas über die verfolgten und ermordeten Juden in Leipzig zu erfahren. Im Mittelpunkt stand das  Projekt „Stolpersteine“ von Gunter Demnig.

Seit April 2006 erinnern u.a. in Leipzig die so genannten „Stolpersteine“ an verschiedenen Orten an ehemalige Bewohner der Stadt, die vom Nazi-Regime verfolgt, deportiert und schließlich zu Tode gekommen sind.

 

In Gruppen eingeteilt, suchten wir einen jeweiligen Bezugsort zum Vortragsthema in der Leipziger Innenstadt aus. Wir erstellten eine Route und machten an den ausgesuchten Stationen unserer Klassenkameraden halt, um uns die Vorträge anzuhören und das vorgetragene Schicksal zu verinnerlichen. Wir erfuhren u.a. etwas über das Kaufhaus Bamberger, die Herkunft und Entwicklung des Antisemitismus, das Judentum und einzelne Stolpersteinschicksale.

 

Jüdische Kultur / Mahnmal in der Gottschedstraße

140 Bronzestühle erinnern an die von Nazis zerstörte Synagoge.

Die erste Synagoge  (jüdisches Gotteshaus) in Leipzig wurde 1854 erbaut und war ein zentraler Sammelplatz für alle Juden. 1938 wurde diese von den Nazis zerstört und man beschloss 1994 mit einem Denkmal an diese Zerstörung zu erinnern. 2001 eröffnet, sollen die Stühle an die Sitzreihen der zerstörten Synagoge erinnern. Vor dem Mahnmal berichteten wir von dem ca.3000 Jahren altem Judentum und seinen circa 14 Millionen Anhängern weltweit. Interessant ist, dass die kleinste Weltreligion in orthodoxes, liberales und konservatives Judentum eingeteilt wird, zudem basiert die Religion auf religiösen Überlieferungen.

 

Es war ein informationsreicher und spannender Tag, der uns allen die älteste monotheistische Weltreligion näher gebracht hat.

 

Wurzeln und Entwicklung des Antisemitismus / Brühl Leipzig

Die ehemalige Handelsstraße war Schauplatz vieler Pelz- und Rauchwarenhändler. Schon im 18. Jahrhundert ließen sich tausende Juden am Brühl mit ihren Geschäften nieder, die in der Zeit des Nationalsozialismus verunstaltet, zerstört und vertrieben wurden.

Die Geschichte der Judenfeindlichkeit reicht mehr als 2000 Jahre zurück. Griechen, Perser und auch Römer haben Versuche unternommen, die jüdische Religion zu vernichten. Über das Mittelalter hinweg, als Mönche und Wanderprediger öffentlich gegen die Juden hetzten und diese als Schuldige für Unerklärliches -wie die Pest-  beschuldigten, bis hin zum 19.Jahrhundert, fanden die Juden keine Ruhe.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gewann der Antisemitismus in Deutschland an Bedeutung. Friedrich Wilhelm Alolph Marr „erfand“ 1879 den Begriff des Antisemitismus in seiner Schrift „Der Weg zum Sieg des Germanentums über das Judentum“. Hiermit erweckte er den Anschein einer wissenschaftlichen Fundierung, mit der der Antisemit den Juden als Feind der Gesellschaft „entlarven“ konnte.

Auch vor Leipzig und den Händlern am Brühl machte der Antisemitismus keinen Halt und mit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 begann der Kampf gegen Andersdenkende.

Jüdischer Alltag zur Zeit des Nationalsozialismus / Waldstraßenviertel, Stolpersteine Familie Rodoff

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wohnten besonders viele Juden im Waldstraßenviertel (10-12%). Dort sollte uns die Suche nach den Stolpersteinen am Exkursionstag hinführen. Ziel war die Funkenburgstraße. Wir haben herausgefunden, dass dort die 10-köpfige Familie Rodoff lebte. Deren unsagbar schweres Leben war der Gegenstand unseres Berichts.

Des Weiteren machten wir unsere Mitschüler mit den Themen „Jüdisches Leben in Leipzig zur Zeit des NS‘‘ vertraut. Im Waldstraßenviertel brannten jüdische Einrichtungen, Wohnungen und Geschäfte. Sie wurden demoliert, geplündert und verwüstet. Jüdische Lehrer, Künstler und Lehrer wurden vom Staatsdienst suspendiert. Es begann die „Entjudung“ der Schulen. Ab 1938 durften Juden keine staatlichen Bäder benutzen und der Aufenthalt in Parks wurde auf ein kleines Gebiet begrenzt. Sie bekamen keine Fürsorge und geringste Rationen an Lebensmitteln. Im Jahr 1939 wurden Mietverhältnisse aufgelöst und zu Kriegsbeginn wurden arbeitsfähige Juden erst zur Pflichtarbeit und dann zur Zwangsarbeit verpflichtet.  1942 begann die Judenvernichtung (Vergasung, Erschießung, Verhungern). Einige Juden schafften es dennoch versteckt, der Deportation zu entkommen. Nach 1945 kehrten ca. 250 Überlebende ins Waldstraßenviertel zurück.

 

Jüdischer Handel in Leipzig – Das Kaufhaus Bamberger / Augustusplatz

Das Andenken an Ludwig und Olla Bamberger ist der intensivste Berührungspunkt unserer Schule mit der tragischen Geschichte der jüdischen Kultur zur Zeit des Nationalsozialismus.

Unsere Schule spendete im Andenken an Olla und Ludwig Bamberger zwei Stolpersteine.

Wir informierten uns über ihr Leben und versuchten uns in die Lage der Kaufleute hineinzuversetzen. Die Leidensgeschichte begann mit der Niederbrennung ihres Kaufhauses am 09.10.1938. Die beiden lebten in ständiger Angst um ihre beiden Kinder. Um den Kindern Sicherheit zu geben brach die Familie schließlich auseinander. Die Eltern schickten zuerst ihre Tochter und später auch ihren Sohn in ein anderes Land. Zu Unrecht beschuldigt enteignete man das Kaufhaus und übertrug es in nichtjüdisches Eigentum. Nachdem sie nun auch finanziell ruiniert waren wurden sie nach Theresienstadt deportiert. Den Transport dorthin mussten sie selbst finanzieren. Dort verstarb Ludwig Bamberg 1942. Seine Frau Olla erlag 1944 einer schweren Krankheit.

Die beiden Kinder der Familie wurden gerettet. Sohn Henry absolvierte in der Schweiz eine Lehre und lebt nun in Los Angeles. Seine Schwester gelangte mit einem Kindertransport bereits 1939 nach England und lebt heute in Israel.

 

Jüdisches Leben in Leipzig heute / Ariowitsch-Haus

 

Unser Gang führte uns zum „Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus Leipzig, das sich in der Hinrichsenstraße 14 befindet. Das jüdische Leben bzw. die Kultur in der heutigen Zeit war Gegenstand unseres Vortrages.

Bei Kriegsende 1945 waren von den ehemals rund 13.000 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Leipzig noch 24 Personen übrig. Heute ist die Gemeinde mit über 1.300 Mitgliedern wieder die größte Jüdische Gemeinde in Sachsen. Seit 1931 gibt es in der Stadt 17 Synagogen und Gebetshäuser sowie 8 Jüdische Wohltätigkeitsanstalten.

2007 gründeten jüdische, christliche und nicht konfessionelle Bürger der Stadt Leipzig das Kultur-und Begegnungszentrum „Ariowitsch Haus e.V.“. Dies dient vor allem der Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden. Im Rahmen dieser Arbeit veranstaltet und fördert das Begegnungszentrum Projekte der israelitischen Religionsgemeinde zu den Themen Antisemitismus, Rassismus und Vermittlung von Toleranz. Zu erleben sind außerdem Kunstprojekte, Ausstellungen, die Aufführung von Theaterstücken und es werden Publikationen erarbeitet, oder Workshops angeboten. 

 

Berufliches Schulzentrum 1

der Stadt Leipzig

 

 

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